Schamanische Diät

Bisher dachte ich, dass meine Aufenthalte am Großglockner eine schamanische Diät gewesen sind. 10 Tage mit Wasser und Gemüse und ohne Betätigung. Doch das ist keineswegs so. Dies waren Reinigungsdiäten. Yerpun erklärt mir den Unterschied. Bei einer Reinigungsdiät isst du nur Gemüse und trinkst Wasser. Keine Gewürze, keine Fette. Bei der schamanischen Diät gibt es Kohlenhydrate und Eiweiß. Keine Pflanzenkost. Dafür trinkst du die ersten 5 Tage morgens nach dem Aufstehen und am Abend vor dem Schlafengehen eine kleine Menge eines Pflanzenextraktes. Gewonnen aus einer Meisterpflanze. Diese ist von Person zu Person unterschiedlich. Die Wahl der Pflanze richtet sich nach der Intention, der Ausrichtung der betreffenden Person. Was ist das Ziel der Diät, was soll gelöst oder angeschaut werden?

Überall Verrottung und neues Leben

Yerpun hat mir einen Baum ausgesucht. Ayauma, der Kopf der Geister, der Wächter des Waldes. Ein mächtiger Schutzbaum mit großer Kraft. Ein kleiner Trupp begibt sich in den Urwald, um den Baum zu suchen. Yerpun mit seiner Familie, Ramona, 5 Hunde und ich. Gummistiefel schützen die Füße vor Nässe und Schlamm. Auf schmalem Weg geht es in den Wald. Nach einer Weile verlassen wir den Pfad, steigen einen steilen Hang hinauf. Da steht er. Wie üblich, zündet Yerpun eine Zigarette an, betet, singt, bläst Tabakrauch auf den Baum. Mit der Machete schlägt er ein ordentliches Stück Rinde vom Stamm. Die Arbeit ist mühselig, die Rinde hart. Stückweise löst sie sich ab. Jedes kleinste Rindenstück wird eingesammelt. Zu meinem Erstauen erfahre ich, dass die Rinde wieder zuwächst. Der Dschungel hat große Heilkraft. Die schwüle Hitze belastet den Kreislauf. Am Schluß drückt Yerpun Tabak in die Rinde und schmiert Erde auf die frische Wunde. Mit einigen Moskitostichen reicher, kehren wir um.

Im Zentrum angekommen, schäle ich die innere Rinde von der äußeren ab. Nur die innere findet Verwendung. Zusammen mit frischem Wasser kocht sie auf blauer Gasflamme. Die Abkochung nimmt eine braune Farbe an. Fertig. Deckel drauf, ziehen lassen.

Nach dem Abendessen ziehe ich los. Es ist stockdunkle Nacht. Meine Diäthütte liegt außerhalb des Zentrums. Während des Tages brachte ich alles, was ich für die 10 Tage brauche, dahin. Viel ist es nicht. Etwas mulmig ist mir schon. So alleine in der Dunkelheit in den Dschungel zu gehen. Auch wenn der Weg nicht weit ist. Da sitze ich nun. Alleine im Dunkeln, umgeben von Dunkelheit, Wald, Geräuschen. Eine Lampe bietet Licht, lockt aber auch Insekten an. So drehe ich sie wieder ab. Die Hütte hat große Fensteröffnungen, die mit Fliegengitter bespannt sind. Gute Nacht.

Um die Hütte gibt es etwas Freifläche zum Gehen

Am nächsten Morgen bringen mir Yerpun und Ramona mein Frühstück und eine Flasche mit der Abkochung vom Ayauma. Eine erste Portion soll ich gleich trinken. Nach kurzer Unterweisung für die kommenden Tage verlassen mich die beiden wieder. Das Essen ist während dieser Tage eine Herausforderung. Kartoffeln mit Reis. Reis mit Kochbananen. Yucca mit Kochbananen. Yucca mit Kartoffeln. Manchmal ein Ei, einmal Fisch, zweimal Hähnchen. Ein Stückchen! Und so fest, dass ich es kaum vom Knochen bringe und es nur sehr schwer kauen kann. Mit Genuss hat das nichts zu tun.

Yerpun erklärt mir, dass die Pflanze in mir zu wachsen beginnt. Wie jede neue Pflanze braucht sie Schutz. Ich darf nicht in den Regen und nicht in die Sonne. Dies würde das Wachsen der Pflanze stören. Sie arbeitet im Schlaf. Im Schlaf werden die Themen bearbeitet. Um das Thema deutlich zu machen, bekomme ich Träume. Unglaublich. So viel und so klar träumte ich noch nie. Während dieser Tage kommt Yerpun immer wieder mal vorbei. Erklärt mir die Träume. Zum Glück. Ich hätte sie anders interpretiert. Das ist alles so real, dass es mich tief erschüttert, verunsichert, durcheinander bringt. Bin sehr müde. Nach jedem Traum stehe ich auf, schreibe das Geträumte nieder. Zurück ins Bett. Einschlafen, träumen, aufstehen, schreiben. Tagsüber hole ich den Schlaf nach. Da gibt es interessanter Weise keinen Traum.

Fensteröffnungen mit Fliegengittern, innen ist es immer dunkel

Um die Hütte herum gibt es einen freien Raum von wenigen Metern, wo ich gehen kann. So drehe ich immer wieder meine Runden. Versuche, das Wesen des Dschungels zu erfahren. Ein schmaler Pfad führt hinunter zum Bach. Dort grabe ich eine „Badewanne“ in den Sand, lege mich in das herrlich frische Wasser, lass mich umströmen. Mit grobem Sand reibe ich meinen Körper ab. Jedes Mal ein Genuss. Als ob ich mir alte Krusten abreibe. Während der Diät beginnen meine Achseln zu stinken. Das kenne ich gar nicht. Hier kommt ordentlich Dreck raus. Weder Seife, noch Zahncreme, noch Deo sind erlaubt. So bleibt nur das Schrubben mit Sand. An manchen Tagen dreimal während des Tages.

Meine Badewanne, muß nach jedem Regen neu ausgegraben werden

Die Diät verläuft so, wie Yerpun er vorausgesagt hat. Zuerst kommen Familienthemen, danach geht es immer mehr in den spirituellen Bereich. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung. So konnte ich mein Ahnensystem klären und viele heilende Erkenntnisse gewinnen. Ein Thema, dass mich seit über 20 Jahren beschäftigt und verfolgt, zeigt sich klar und löst sich auf. Zuvor versuchte ich in Familienaufstellungen und anderen Therapien der Sache auf den Grund zu gehen. Erfolglos. Die schamanische Diät brachte es ans Licht und damit konnte ich es bearbeiten.

Heilungsritual

Der Dschungel ist ein komplexes System, das unmittelbar an den Prozessen und der Heilung beteiligt ist. Gerade Sandfliegen und Moskitos sind Schlüsselelemente in meinem Prozess gewesen. Durch sie ist Loslassen gelungen. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Treffender kann ich es nicht ausdrücken.

Für weitere Informationen stehe ich gerne zur Verfügung.

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