Visionssuche – Vision Quest

Dieser erste Kontakt war im Jahre 2015 in München auf der Infomed. Es entstand die Begegnung mit Yerpun aus Ecuador. Er schickte mich in die Schwitzhütte. Danach für 10 Tage auf eine Hütte zur Diät.

Inzwischen ist die Zeremonie der Schwitzhütte nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Immer wieder staune ich über die großen Veränderungen, die in und mit mir geschehen.
Nach den Erzählungen brachte die weiße Büffelkalbfrau die Chanupa, die heilige Pfeife, mit den 7 Riten zum Volk der Lakota. Dazu gehören u.a. die Schwitzhütte, die Visionssuche und der Sonnentanz.

Sonnentänzer lässt sich am Lebensbaum piercen

Im Novembercamp 2018 begann etwas in mir zu schwingen, als das Gespräch auf die Visionssuche kam. Ich spürte Wachheit, Präsenz, ein inneres Drängen. Dies ließ mich nicht mehr los. Das nächste Camp stand erst im Februar an. In dieser Zeit rumorte es in mir. Die Vision Quest tauchte auf, verschwand wieder. Was blieb, war eine mir wohlbekannte Spannung. Eine neue Ausrichtung. Ein Gespräch schaffte noch mehr Klarheit, aber es reichte nicht für die Entscheidung, auf den Berg zu gehen. Auf den Berg gehen ist eine alternative Bezeichnung der Vision Quest. Traditionell sitzt man auf einem Berg, weil man da dem Himmel näher ist. Doch es ist nicht zwangsweise notwendig. Ein ruhiger Wald tut es auch.

Im März bin ich in Ecuador bei Yerpun gewesen, konnte da also nicht zur Schwitzhütte kommen. Mit Yerpun sprach ich über die Visionssuche. Er meinte, das wäre eine gute Sache. Mehr nicht. Typisch. Also trug ich es weiter in mir. Durch die Erfahrung der schamanischen Diät rutschte die Quest in den Hintergrund. Doch schon beim nächsten Camp im Mai war wieder alles anders. Weitere Gespräche brachten noch mehr Klarheit. Das innere Drängen war auch wieder da. Doch es reichte immer noch nicht für ein klares „Ja!“. Da wußte ich, dass alle Gespräche mir nicht weiterhelfen werden. Selbst wenn ich noch viele weitere führen würde.

„Es ist eine Sache ganz mit mir allein.“

Traditionell wird im Mai die neue Schwitzhütte gebaut. Der Tag hat es in sich. Es ist lausig kalt und regnerisch. Viele Menschen werden zum Aufbau benötigt. Nachdem das alte Gerüst aus der Erde gehoben wurde, werden die Löcher im Boden mit Tabak gesegnet, eine neue Rute nach der anderen eingesteckt und vorsichtig gebogen. Dies muss langsam geschehen, damit die Haselnuss nicht bricht. Die Reihenfolge der Ruten ist vorgegeben und wird streng eingehalten. Der Regen dringt durch alle Schichten. Schon spüre ich ihn auf der Haut. Dazu gibt es wenig Bewegung, die etwas Wärme in den Körper hätte bringen können. Meine Arbeitshandschuhe sind total durchnässt. Ohne wäre es einfacher, doch dann schneiden die Schnüre zum Binden der Ruten in die aufgeweichte Haut. An – aus, wieder an. Das geht mir an die Nerven. Jetzt setzt auch noch Schnee ein.

Die alte Schwitzhütte. Ein älteres Foto bei schönem Wetter

„Wie wäre das, wenn ich im nächsten Jahr im Mai bei so einem Wetter auf dem Berg sitzen würde?“ Diese Frage geht mir durch den Kopf, und – sie macht mir Angst. Damit fällt die Entscheidung. „Ich gehe!“ Dieser Angst will ich mich stellen.
Vier Tage auf dem Berg, ohne Essen und Trinken. Mich friert schon, wenn ich bei diesem Wetter nur mal eine Mahlzeit auslasse. Diese Entscheidung verändert etwas in mir. Klarheit entsteht. Zweifel verschwinden. In den kommenden Tagen fühle ich mich energiegeladen.

Ein Jahr Vorbereitungszeit. In dieser Zeit gilt es, das eigene Leben zu klären. So, dass du auf den Berg gehen und sterben kannst. Eine schöner Impuls.
In diesen vier Tagen kann vieles geschehen. Einsichten, Entscheidungen, Visionen, Naturverbundenheit können sich einstellen. Doch nichts muss geschehen. Es ist immer Geschenk. Es ist eine Zeit des Alleinseins. Allein mit mir, der Natur, dem Schöpfer. Eine Zeit des Betens, des Akzeptierens, des Wachseins. Der Schlaf sollte auf ein Minimum reduziert werden. Nur das Allernötigste geht mit auf den Berg. Tobias meinte, er würde nur eine Shorts und sein Büffelfell mitnehmen. Mich schaudert bei dem Gedanken.

„Was muss in meinem Leben noch geklärt werden?“

Während der Zeit auf dem Berg gibt es Unterstützung aus dem Camp. Ich habe Glück. Die Menschen, die ich gerne dabei haben möchte, sagen zu. Mit einem Päckchen Tabak wird es besiegelt. Mit Tobias, der mich auf den Berg bringt, rauche ich die Chanupa. Die heilige Pfeife. Das Rauchen der Pfeife ist ein Pakt. Ein Vertrag, den wir miteinander und mit den Spirits schließen. Dieser kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Die Unterstützer essen und trinken für mich. Gehen am Morgen und am Abend in die Schwitzhütte. Beten für mich. Ein gutes Gefühl. Das spüre ich schon jetzt, als sie mir ihre Unterstützung zusagen.
Doch bevor es auf den Berg geht, schauen sie auch mein Gepäck durch. So kann es durchaus sein, dass sie manche Dinge für unnötig empfinden und diese dann im Camp bleiben müssen.

Eines ist klar – es ist die richtige Entscheidung. Es ist richtig, auf den Berg zu gehen. Es gilt, die Zeit bis zum Mai zu nutzen.

Mitakuye oyasin
(für alle meine Verwandten)

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