Mein Wochenende in der Schwitzhütte

Nachdem ich über Sylvester nicht an der Schwitzhütte
teilnehmen konnte, freute ich mich sehr auf das vergangene Wochenende. Seit 2015 nehme ich am Ritual der Schwitzhütte in der Tradition der Lakota teil. Mehr und mehr erfahre ich die heilende Wirkung an Körper und Geist.

Im vergangenen Jahr musste ich an einem Wochenende abbrechen. Ich durfte so tiefe Erfahrungen machte, dass mein Körper erkrankte.

Als ich jetzt am Donnerstag losfahren wollte, roch ich plötzlich Sage, den wir zum Räuchern verwenden. Mir war klar, dass der Prozess schon zu laufen beginnt. Auf der Fahrt meldeten sich plötzlich Übelkeit und Bauchkrämpfe. Übelkeit kenne ich auch aus vergangenen Prozessen.

Feuer

 

 

 

 

 

 

 

Bei unserer ersten Schwitzhütte am Freitagabend arbeite ich als Feuermann. Zwei Feuerleute sorgen für heiße Steine, tragen diese in die Hütte, sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Für mich ist die Arbeit am Feuer bisher immer sehr intensiv gewesen. Da verbrennt etwas in mir. Transformation. Ein alche-mistischer Prozess. Auch diesmal bringen die Steine etwas in mir ins Rollen. Mein Eindruck ist, dass sie nicht richtig heiß geworden sind. Stehe fassungslos vor dem Feuer, blicke ratlos in die Glut. Alles sieht perfekt aus. Die Steine liegen auf einem wunderbares Glutbett und sind gut mit brennendem Holz abgedeckt. Was geschieht da? Erkenntnisse tauchen auf.

„Ich kann immer nur mein Bestes geben. Doch das ist keine Garantie für Erfolg. Alles besitzt eine eigene Dynamik, eigene Gesetzmäßigkeiten. Gib einfach immer nur dein Bestes. Ohne Erwartungen.“

Stehe vor der heißen Glut. Wenn ich Steine aus der Mitte des Feuers holen will, verbrennt es mir fast die Hände. Trotz dieser Hitze sind manche Steine schon auf der Gabel schwarz. Statt rotglühend. Das lehrt mich Demut. Wir Menschen meinen immer alles zu wissen und kontrollieren zu können. Dem ist nicht so.

Am Samstagnachmittag und Sonntagmorgen sitze ich in der Schwitzhütte. Die Hütten empfinde ich als heiß und anstrengend. Aber auch heilend. Spüre Widerstand in mir. Gegen die Hitze, die mir auf der Haut brennt, gegen die Rückenschmerzen, die sich bei mir einstellen. Loslassen ist so schwer. So unglaublich schwer. Beten, singen, atmen. Ein immer wiederkehrender Balanceakt zwischen Aufrichtung und Aushalten und mich zur Erde neigen, nachgeben. Am Boden ist die Hitze erträglicher. Wo ist die Grenze? Wann soll ich mich um mich kümmern und wann soll ich stand halten? Diese Entscheidung nimmt dir niemand ab.
Die Tür öffnet sich. Heißer Dampf zieht wie dichter Nebel hinaus. Neue Steine kommen herein. Rotglühend. Blicke hinein und erkenne ein Gesicht. Augenhöhlen mit glühenden Pupillen. Darunter ein lachender Mund mit Grübchen an den Mundwinkeln. Dieser Mund erinnert mich an Ellen. Dabei spüre ich zu meinem Erschrecken, wie verschlossen mein Herz ist. Das war mir bis dahin in dieser Deutlichkeit nicht bewusst. Was ist da mit mir geschehen? Welche Verletzungen trugen dazu bei? Wende meinen Blick nicht ab. Lasse die Begegnung in mir arbeiten. Langsam verlöschen die Augen. Der lachende Mund bleibt.

Nicht nur die Schwitzhütten, das Beten und Singen sind heilsam, sondern auch  die Begegnung mit den Menschen hier. Das gemeinsame Arbeiten. Alle bringen sich ein so gut sie können. Es ist eine schöne Gemeinschaft. Ein Kaleidoskop unterschiedlicher Menschen. Jeder darf sein wie er ist. Mit seinen Ecken und Kanten. Seinem Licht und seinem Schatten. Hier darfst du weinen, hier darfst du lachen. Die Gruppe trägt.

Zuhause liege ich mit Ellen auf der Couch. Ich berichte von meinen Erfahrungen. Plötzlich öffnet sich mein Herz wie ich es noch nie erlebt hatte. Tränen laufen mir übers Gesicht.

Danke Tunkashila! Großer Geist.
Danke an die Gemeinschaft, das Feuer, die Steine, das Wasser.

Danke an das Leben!

 

 

 

 

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